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Hochsprung (Fosbury-Flop) — WTU-Unterlage

Anlauf, Absprung und Flugphase des Fosbury-Flops: strukturierte Trainingsunterlagen mit Übungen, Fehleranalyse und Materialbedarf für Vereinstrainer.

von Silas Keller 05.03.2026

Hochsprung — Technische Grundlagen (Fosbury-Flop)

Der Hochsprung nach der Fosbury-Flop-Technik ist die Standardtechnik im modernen Leichtathletik-Hochsprung. Athleten überqueren die Latte rückwärts — Kopf zuerst, Rücken zur Latte.


1. Phasenstruktur

Phase 1 — Anlauf

  • Gerade Anlaufphase (4–6 Schritte), gefolgt von einer gekrümmten Anlaufphase (3–5 Schritte)
  • Gesamtanlauf: 7–11 Schritte (je nach Athlet)
  • Anlaufwinkel: ca. 30–40° zur Latte
  • Kurve: Die Zentrifugalkraft sorgt für eine rückwärtige Körperneigung, die den Flop ermöglicht

Phase 2 — Absprung

  • Letzter Schritt länger und flacher (Abbremsschritt)
  • Abdruckbein: das lattennahe Bein
  • Schwungbein und Arme schwingen kräftig nach oben
  • Körper ist beim Absprung leicht zur Latte geneigt

Phase 3 — Flugphase (über der Latte)

  • Kopf und Schultern überwinden die Latte zuerst
  • Rücken wölbt sich (Hyperextension der Wirbelsäule)
  • Beine werden nachgezogen: Knie strecken sich nach dem Überqueren des Rückens
  • Hüfte bleibt möglichst tief über der Latte

Phase 4 — Landung

  • Landung auf der Schultermatte (Rücken zuerst)
  • Kinn zur Brust — Nackenschutz
  • Keine Landung auf dem Kopf oder Nacken

2. Häufige Fehler & Korrekturen

Fehler Ursache Korrektur
Anlauf zu gerade Keine Kurventechnik Anlaufbogen mit Markierungen legen
Absprung zu weit von der Latte Falsche Anlaufposition Standortmarkierung setzen
Rücken wölbt sich nicht Zu steif, fehlende Körperspannung Rückenübungen auf dem Boden, Brückenübungen
Knie bleiben gebogen über Latte Schlechtes Körpergefühl Übungen mit Gummiseil
Landung auf dem Kopf Falsche Kopfhaltung Kinn-zur-Brust-Übung

3. Trainingsübungen

A — Anlauftechnik

  1. Anlaufmarkierungen setzen: Schritte zählen, Positionen mit Klebeband markieren
  2. Kreisbogenanlauf ohne Latte: Nur den Anlauf laufen, Körperhaltung in der Kurve trainieren
  3. Rhythmusübung: Laufen mit Betonung der letzten 3 Schritte (Beschleunigung)

B — Absprungtraining

  1. Standabsprung: Aus dem Stand auf eine erhöhte Matte springen, Körperstreckung trainieren
  2. Anlauf + Absprung ohne Überquerung: Fokus auf maximale Höhe des Absprungs
  3. Beinschlag-Drill: Schwungbein isoliert trainieren (Schnelligkeit + Höhe)

C — Lattenübungen

  1. Gummiseil als Lattenersatz: Sichereres Üben der Überquerungstechnik
  2. Niedrige Lattenhöhe, hohe Wiederholungszahl: Technikkonsolidierung
  3. Sektionsübung: Unterkörper-Überquerung separat mit Hilfestellung üben

4. Materialbedarf

Material Anzahl Hinweis
Hochsprunganlage (Ständer + Matte) 1 WA-konforme Sprungmatte (min. 5×3 m)
Hochsprunglatten 3–5 Fiberglas oder Aluminium
Gummiseil als Lattenersatz 2–3 Für sicheres Techniktraining
Markierungsteller 10–15 Für Anlaufmarkierungen
Allround-Nagelschuhe Für optimalen Grip beim Absprung
Hochsprungschuhe (Springerschuhe) Spezifische Sohle für Absprung

5. Normhöhen Swiss Athletics (Übersicht)

Kategorie Einstiegshöhe Empfehlung
U12 0.90–1.00 m
U14 1.00–1.10 m
U16 1.10–1.25 m (F), 1.20–1.40 m (M)
U18 1.30–1.50 m (F), 1.50–1.70 m (M)
Aktive je nach Leistungsstand

6. Sicherheitshinweise

  • Immer auf die korrekte Lattenposition und den Abstand zur Matte achten
  • Gummiseil beim ersten Erlernen der Technik — niemals eine starre Latte für Anfänger
  • Landezone frei von Hindernissen halten
  • Kein Kopfsprung: Kinn immer zur Brust
  • Aufwärmprogramm mit spezifischen Rücken- und Hüftdehnungen

7. Literatur & Weiterführendes

  • Swiss Athletics Trainingsrahmenplan Sprung
  • WA Coaches Education — High Jump Technical Manual
  • javelin.ch Produktempfehlungen für Hochsprung-Equipment